Diese Begrüßungsformel (für die, die nicht des Englischen mächtig sind, übersetzt so viel wie: "Hallo, wie geht's denn so?") ist sicherlich das, was mir hier - neben der unglaublichen Landschaft - am meisten in den letzten 20 Tage aufgefallen ist.
Am Anfang denkt man ja noch: "Mann, die sind aber alle nett hier. Jeder will wissen wie es dir geht." Und am Anfang antwortet man auch in dem Sinne.
"Ähhh, Thank you. Fine"
Oder die etwas geübtere Variante "Thanks! I'm doin' fine" ("Oh danke. Mir geht's gut").
Das geht übrigens nicht nur Europäern so, die das ja gar nicht gewohnt sind.
Eine Dame aus New Jersey, die ich auf der Holpertour durch den Canyon de Chelly getroffen habe, meinte auch, sie wär schon ganz müde, immer auf die Frage zu antworten. Das wär doch alles ein bisschen viel.
Merke: Im Osten ist das wohl auch anders.
Mittlerweile denke ich aber ganz anders über diese Begrüßungsphrase:
Es geht gar nicht so sehr darum, zu wissen, wie es dem Gegenüber geht. Das interessiert - wenn überhaupt - nur peripher.
Vielmehr geht es darum, herauszufinden, wo der andere herkommt und wie er einzuordnen ist oder anders formuliert: Es geht eher darum sein Revier und seine Position zu markieren.
Hunde beschnüffeln sich dafür und heben regelmäßig das Bein.
Nichts anderes ist - so glaube ich mittlerweile - diese Begrüßungsformel.
An der Antwort erkennt man sofort, ob man es mit einem Ausländer zu tun hat (die wissen gar nicht, wie sie darauf antworten sollen) oder mit jemanden, der aus einer anderen Gegend kommt, zu einer anderen Sippe gehört. Wenn ich das richtig beobachtet habe, dann gibt es je nach Gegend ein ganz bestimmtes Ritual, was da zu antworten ist.
So etwas wie ein geheimes Erkennungzeichen oder Losungswort.
Der gehört dazu - oder eben nicht.
Wichtig für die Postitionsbestimmung ist dabei natürlich auch, wer zuerst fragt.
Aus dem alten "Erst Schießen, dann Fragen" ist jetzt ein "Wer zuerst fragt, gewinnt" geworden.
Wenn man nicht schnell genug ist mit seinem "How your doin'" ist man schon in der Verteidigungs- bzw. Rechtfertigungsrolle.
Wobei:
Es kommt auch noch darauf an, wo man gerade ist.
Nicht überall gilt diese Regel.
Insbesondere nicht morgens auf dem Männerklo eines Campgrounds.
Da spricht man natürlich nicht miteinander.
Man(n)tut so, als wär der andere gar nicht da.
Restrooms (zu deutsch "Ruheraum" - Toilette sagt man ja nicht - igitt) sind schließlich strictly private.
Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten schon im Vorfeld bereits aus der Ferne einzuordnen, wo jemand herkommt.
Asiaten erkennt man ja schon an den Gesichtszügen. Und daran, dass sie in PKW's übernachten, die gar nicht dafür vorgesehen sind. Oder aber dass sie in der Regel in Großgruppen auftauchen. (Man braucht immer mehrere Asiaten, damit man sich auch gegenseitig fotografieren kann.)
Sind die Gesichtszüge mal wegen einer Gesichtsmaske oder eines Mundschutzes nicht zu erkennen, ist das auch einfach, dann sind das Japaner.
Die Unterteilung zwischen Amerikanern und Europäern ist im ersten Schritt am Einfachsten anhand der Kleidung.
Sneakers (=Turnschuhe) mit weißen Socken auf Wanderwegen oder aber nur Badeschlappen ohne alles: Das sind immer(!) Amerikaner.
Menschen mit richtige Wanderstiefel sind zu 98% Europäer (Ok manchmal auch Israelies aus Tel Avif) oder aber Amerikaner von der nördlichen Ost-Küste (z.b. New Jersey), wo es eher bergiger ist.
Ist die Fußbekleidung nicht eindeutig, muss als nächstes die Kopfbedeckung zur unterstützenden Einordnung hinzugezogen werden:
Baseballkappen (bevorzugt mit aufdrucken wie "Vietnam Veteran" oder "Retiered US Marine Corps") oder aber für Damen diese Schirmmützchen ohne was oben dran: Auch immer(!) Amerikaner.
Reicht auch das nicht aus, nimmt man als nächstes die Wasserversorgung hinzu.
Folgende Kombinationen sind auch immer(!) Amerikaner:
- eine halbvolle Plastikflasche mit Wasser lose in der Hand geschlenkert
- ein Softdrink-Becher von mindestens einem halben Liter mit Plastikdecken und Strohhalm
- ein Camelbag Rucksack mit nur Wasser drin (wieder die Hikingprofis von der Ostküste)
Und wenn das jetzt zu einseitig sein sollte, versuchen wir es doch mal so rum:
Woran erkennt man jetzt die Deutschen?
Sie tauchen immer (ich bin natürlich wieder die Ausnahme) als Paar um die 50 auf.
Den Camper fährt immer(!) der Mann, die Frau darf nur Einweisen beim Rückwärts Einparken. Da sind die Amerikaner übrigens fortschrittlicher. Hier werden die riesigen Wohnmobile im Reisebusformat genauso oft von den Frauen, wie von den Männern gesteuert. Was wohl auch damit zu tun hat, dass man hier für die Dinger keinen extra Führerschein braucht, wie bei uns die Klasse zwei. Eventuell auch damit, dass man in den Dingern auch während der Fahrt die Baseball-Spiele verfolgen kann.
Aber zurück zu den Deutschen.
Hier hat immer(!) der Mann die Kamera in der Hand. Die Frau dient als Fotovordergrund.
Bei Amerikanern gibt es hier häufiger die Erscheinung, dass beide eine Kamera dabei haben. Wobei die vom Mann dann allerdings die Große, Teure ist, die von der Frau die kleine "Kann-Frau-Nix-Verkehrt-Machen".
Ach ja. Und Deutsche erkennt man auch daran, dass sie sich im Restaurant trotz "Wait to be seated" selbst einen Platz suchen und meistens zu wenig oder gar kein Trinkgeld geben.
So jetzt reichts aber.
Mal sehen, was ich davon Morgen auf dem Rückweg in die Heimat wiedererkennen kann.